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whiskyJetzt ist mal ein klassischer Tennessee Whisky an der Reihe. Moment mal. Amerikanischer Whiskey ohne „e“ ? Kein Tippfehler liebe Leute, sondern der Mut des Gründers George Dickel. Der war von seinem Stoff so überzeugt, dass er meinte, es mit den Schotten aufnehmen zu können. Das wollen wir mal sehen, oder besser schmecken.
Die Brennerei selbst liegt nur ein paar Kilometer vom Branchenriesen Jack Daniels entfernt, hat aber die interessantere Geschichte. 1870 vom Kaufmann George Dickel in Tullahoma gegründet. Nachdem George bei einem Reitunfall verunglückte und starb hatte seine Frau die Rechte. Die wurden dann aber 1916 an den Schwager V.E. Shwab weitergereicht, der die Produktion verlagerte, eine neue Brennerei kaufte und dann die Geschichte der beiden Brennereien zusammen mixte. Wie ein guter Cocktailmixer. Anscheinend ist es so in Amerika, dass wenn man die Rechte an einer Firma kauft, man auch gleich die fremde Familiengeschichte als Bonus obendrauf l

egen kann und diese dann weiterverwenden. Aber das macht ja nix, denn nach vielen Irrungen und Wirrungen liegt die Produktion nun in der Cascade Hollow Distillerie, die 2003 wieder eröffnete. Ich hoffe das der Manager nun alles in den Griff bekommt.
Ich selbst kann halt sagen, dass der George Dickel Whisky mit dem Eagle Rare Bourbon aus der Buffalo Trace Distillerie mir selbst den geschmacklichen Weg in die Welt der amerikanischen Whisk(e)ys eröffnet haben. Den No. 12 gibt es in Deutschland meines Wissens nur als 1 Liter Flasche zu kaufen, umso glücklicher war ich, als ich in Zürich der 0,7 Liter Flasche habhaft werden konnte. Allen finanziellen Warnungen zum Trotz (Hey, es war in Zürich und der Wechselkurs ist derzeit echt mies) wurde die Flasche eingesackt. (Fürs Protokoll: Ich habe lieber 0,7l Flaschen daheim als Literflaschen. Warum weiss ich nicht. Ist auch egal.)
Hier nun die dazugehörige Review:

Farbe: Schönes dunkles Bernstein. So stell ich mir das vor und so gehört es sich.

Nase: Einige frische Aromen nach Früchten strömen entgegen und beißen sich so richtig fest, aber im positiven Sinne. Vanille und dörrobst gesellen sich noch dazu. Ungewöhnlich, aber erst mal interessant. Irgendein weiterer Geruch ist noch drin, der mich nachdenklich stimmt. Ist wohl die fein rauchige Note vom „charcoal mellowing“. Veleiht dem ganzen einen etwas süßlichen Geruch nach frisch gefälltem Ahorn. (3,5/5)

Gaumen: Etwas leicht auf der Zunge, dafür mit leicht süßlicher Komponente. Das fruchtige Aroma nach Aprikosen verhärtet und hängt sich fest. Die Vanille ist ebenfalls spürbar und klopft wie der freundliche Nachbar an, um mal reinzuschauen. Ganz stimmig bisher. Die 90 Proof (45%) sind gut eingebunden. Es raubt einen nicht den Atem, aber man kann merken, dass der Whisky nur was für ganze Kerle ist. Oder ganze Frauen…geht auch. (4/5)

Finale: Ich hab den doch runter geschluckt, warum schmecke ich den noch immer? Das gute 5 Minuten lang. Hier legt sich die würzige, rauchige Note auf den Zungenbelag und verhält sich wie ein Greenpeace Protester. Nur mit viel Gewalt und Zähneputzen wegzubekommen. Oder wahlweise Duschen. Hilft aber nicht dem Mundraum. Grandios! (4,5/5)

Gesamt: Das Gesamturteil ist durchweg zufriedenstellend. Ein perfekter Drink für kalte Abende, John Wayne Western oder Clint Eastwood Filme. Direkt und stark am Anfang, beeindruckend am Ende. Hier gibt’s satte 12 von 15 Punkten